Viele von euch wissen ja schon Bescheid, aber jetzt noch mal für alle: Bei uns wurde am Donnerstag, den 23. Februar "eingebrochen" und so ziemlich alle wertvollen Gegenstände geklaut. Allen Hausbewohnern und Gästen geht es gut. Aber bevor mich jeder einzeln fragt, schreib ich euch hier einen kleinen Bericht. Auch davon wie es sich mittlerweile entwickelt hat:
Donnerstagmorgen haben Joni, Lisa und ich nacheinander unsere Wohnung unten verlassen. Oben waren unsere Haushälterin und drei Gäste. Um elf hat unsere "Mama" (so nennen wir die Haushälterin) die Haustür unten verschlossen, als sie zum Einkaufen ging, vorher war sie entgegen der sonstigen Gewohnheit offen. Leider.
Als ich gegen halb eins zurückkam, war Lisa schon da und hatte festgestellt, dass die Koffer geöffnet wurden (einer stand außerdem in unserer Dusche...?!?) und ihr Rucksack fehlte. Da hätten bei uns schon alle Alarmglocken leuchten müssen, aber dem war nicht so. Wir haben unsere Mama gefragt, ob sie aus irgendeinem Grund unsere Koffer geöffnet hätte: "Nein, nein." Unser Gedanke: "Vielleicht brauchte Doris den Rucksack." Im Nachhinein betrachtet waren wir einfach nur dumm. Zum Mittagessen waren sechs junge Deutsche bei uns, also haben wird das Thema einfach bis zum Abend beiseite geschoben und den Tag richtig genossen. Wir haben uns super mit unseren Gästen unterhalten können und haben die Zeit mit Gleichaltrigen unglaublich genossen!! Das war echt ein Geschenk und heute sind wir dankbar, dass wir den Einbruch erst danach realisiert haben und so ganz entspannt waren am Nachmittag.
Als sie aber weg waren, ging es los. Doris hatte natürlich nicht einfach unseren Rucksack genommen. Sie würde immer vorher fragen und das wissen wir auch - eigentlich. Naja, wir haben das noch nicht soo schlimm gesehen - wollten es auch nicht wahrhaben. Als erst Joni auffiel, dass sein Laptop und seine Kamera weg sind und wir dann auch bemerkten, dass unsere Laptops und meine Kamera fehlten, haben wir dann doch Ha-Di angerufen. Er kennt sich einfach am besten aus. Der kam als aller erstes: "Wann ist es passiert?" Wir: "Schon heute morgen." Schlecht, weil dann die Laptops vermutlich schon verkauft wurden. Jedenfalls haben wir dann so nach und nach herausgefunden was noch alles fehlt. Eine Festplatte, Lautsprecher, Geld, Visa-Karten und ... Lisas und mein Reisepass. Obwohl in der oberen Wohnung Leute waren, haben die Diebe in aller Seelenruhe sämtliche Schränke, Schubladen, Taschen und Koffer in drei Zimmern durchwühlt. Wir sind so dankbar, dass niemand von oben herunterkam. Wer weiß, was passiert wäre!
Ihr könnt euch vorstellen, dass wir alle schon ziemlich am Ende waren, als wir das mit den Laptops feststellten... und jetzt kam nach und nach noch einiges dazu. Ha-Di hatte sämtliche Freunde angerufen, sie sollen sich in der Stadt umhören und hat seinem Polizeifreund Bescheid gegeben. Hans ist auf die Polizeiwache gefahren und hat Bericht erstattet. Doris hat sich zu uns gesetzt und uns in den Arm genommen. Ganz wichtig! Es hat mir unglaublich geholfen, dass alle um mich rum waren und sich um alles gekümmert haben. Mittlerweile war es schon dunkel und gegen neun haben wir Ha-Di nach Hause zu seiner Familie geschickt. Er konnte eh nichts mehr tun. Wir saßen dann noch eine Stunde auf den Stufen vor unserem Haus und haben versucht das Erlebte zu verarbeiten. Schon im Bett fiel uns auch noch ein, dass unsere IPODs ja auch auf dem Schreibtisch lagen... die sind auch weg. Danach hatte ich die schlechteste Nacht seit meiner Ankunft...
Freitagmorgen mussten wir dann als allererstes aufs Polizeipräsidium, um unsere Berichte abzugeben bzw. zum Vorfall befragt zu werden. Wir wurden einzeln befragt und dank deren Englisch- und meiner Suahelikenntnissen konnten wir uns auch verständigen. Das Entscheidende an diesem Besuch war, eine Bestätigung zu bekommen, dass unsere Reisepässe geklaut wurden, damit wir Neue beantragen können.
Ehrlich gesagt war ich heilfroh, als wir nach Hause fahren konnten. Vermutlich aufgrund vom Adrenalinabbau hatte ich teils furchtbare Gliederschmerzen. Nach dem Mittagessen bat Ha-Di, dass eine von uns mit ins Büro komme, um noch was fertig zu stellen. Lisa wollte - zum Glück ;-) - lieber bei den Kids bleiben und so saß ich ab zwei im Büro. Gegen halb sechs hatte Ha-Di Luft und wir konnten zusammen die Arbeit durchgehen... Das war ein langer Nachmittag, aber er hat mir sehr geholfen, um mit den Umständen klarzukommen.
Der Abend war dann noch mal schlimm, aber seit Samstag kann ich es hier wieder so genießen wie schon vorher. Es geht mir super und ich bin dankbar, dass niemandem etwas passiert ist und ich den Nachmittag mit den Deutschen noch genießen konnte. :-)
Der nächste Schritt war jetzt die Beantragung neuer Reisepässe. Deshalb ist Doris mit uns Mädels am Donnerstag nach Dar gefahren in die Deutsche Botschaft. Das hieß für uns um fünf Uhr aufstehen... Die Fähre war so sehr klimatisiert, dass es mich glatt gefroren hat. ;-)
In der Botschaft stellten wir dann fest, dass die Passfotos, die wir hier in der Stadt machen ließen falsch waren, also sind wir drei Straßen weiter in ein Fotogeschäft, um noch mal welche machen zu lassen. Wieder zurück fragte der Security-Mann, ob wir Doris Kinder seien... "Hapana. Wajuku." (Nein. Enkel.) Oh. Ob er eine haben könne? Nein, leider nicht. Wirklich nicht. Das würde nicht funktionieren.... "Nataka huyu." (Ich will sie.) sprach`s und legte eine Hand auf Lisas Arm. :-) Ich fand`s ja schon lustig, aber nachdem Doris ihm nochmals versicherte, dass wir nicht zu vergeben seien, drehte er sich zu seinem Kollegen um und meinte: "Sie hat mir eine versprochen." Der Kollege: "Nein, hat sie nicht." :-P
Wieder in der Botschaft war dann alles schnell erledigt. Bezahlen und Unterschrift... Fertig.
Dann sind wir essen gegangen... Pommes und Hähnchenfleisch!!! Ein Traum!! :-)
Bevor es zurück zur Fähre ging haben wir noch Kitenge und Kangas für Doris Nähfrauen gekauft... Lisa und ich saßen außen auf einer Treppe und haben die Leute beobachtet bzw. den Verkehr! Schlimmer als zur Hauptverkehrszeit in Deutschland! Zwischen den Autos zieht einer barfuß (!) einen Wagen mit Bierdosen hinter sich her (nein, es gibt leider kein Foto)... Unglaublich. Ein Erfolgserlebnis war, dass wir einen Typen, der uns Jeans verkaufen wollte mit unserem Suaheli abwimmeln konnten! :-)
Am Ende saßen wir dann noch eineinhalb Stunden in der klimatisierten Wartehalle am Hafen. Etwas fertig, aber glücklich, dass alles geklappt hat, kamen wir zu Hause an.
Zum Schluss noch eine kleine Info: Bis jetzt ist keines unsere gestohlenen Teile wieder aufgetaucht, aber dank einer Deutschen, die heute hier angekommen ist, haben wir wieder einen Computer!! :-)
Wir sind echt gesegnet und freuen uns auf die nächsten Monate. :-)
Grüße aus Sansibar
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