Donnerstag, 13. November 2014

Das Leben

Man sollte ja meinen, als Student habe man Zeit, um Dinge zu tun... Hab ich auch, aber nie reicht es für all das, was ich gerne machen würde.
Morgens steh ich auf - nachdem ich den Wecker drei oder viermal auf Schlafmodus gestellt hab, wanke ins Bad und habe keine Ahnung, wem das verquollene, bleiche, verschwommene Gesicht im Spiegel gehören soll. Dass die Zahnbürste ihren Weg durch meinen Mund über alle Zähne findet, ist antrainierte Routine. Dann kaltes Wasser ins Gesicht, anziehen und ich fühle mich fast wie ein Mensch, sinnvolles reden ist von mir erst nach weiteren fünf bis zehn Minuten zu erwarten. Mit Sehnsucht nach meinem warmen, kuscheligen Bett wird gefrühstückt und dann heißt es auch schon los zum Bus. Noch ist es an manchen Tagen hell - wird sich aber auch demnächst ändern... Völlig vertieft in eins meiner Lieblingsbücher verpass ich fast die Haltestelle, wie gut, dass ich immer da aussteige, wo allgemein Tumult losbricht. Angekommen an der Wöhrder Wiese, setze ich mich auf die Bank und lese noch die fünf Minuten bis Maike kommt oder friere mir den Hintern ab. Warum baut man eine U-Bahn so, dass Durchzug von oben herrscht? Maike kommt und ein mal klägliches, mal fröhliches Morgen! wird ausgetauscht. Sie ist grundsätzlich fitter als ich am Morgen... Muss am Hund liegen. Schnell tauschen wir die neuesten Infos aus. Wer sich, statt täglich mehrere Stunden, auf einmal nur noch zweimal die Woche sicher und ansonsten sporadisch sieht, muss in rasantem Tempo alles bequatschen. Spätestens jetzt wird der Körper komplett hochgefahren, man will schließlich aufmerksam zuhören. Ob man dabei immer alles versteht? Ne, viel zu kompliziert dieses Leben, das wir da führen müssen. Endlich in der TH höre ich auf zu zittern, ein paar Leute sind schon da, aber grundsätzlich gehöre ich/gehören wir zu den ersten. Spätestens wenn der Prof kommt (meist schrecklich gut gelaunt), hat es sich aber doch gefüllt und die besten Plätze (dritte Reihe) werden "erkämpft". Wer näher an der Tür steht, hat eben Glück gehabt. Ich setz mich hin, schäle mich aus der Jacke, meinem Schal und räume meinen Tisch voll: Ordner, daraus entnommenes Skript, Block und Stifte, die aus dem offenen Federmäppchen rollen oder beim Wühlen nach dem Kulli verteilt werden. Wer braucht schon Ordnung, wenn er Platz hat? Fragt mich nicht, wie ich es die ersten Semester auf diesen winzigen, schrägen (!) Tischchen ausgehalten habe. Die letzten Eintrudler zehn Minuten nach acht, bekommen Plätze in der ersten Reihe. Beim PC-Prof heißt es auch noch: nicht auffallen. Er kennt deinen Namen und ermahnt gern persönlich... Oder ruft auf, wenn er sieht, dass du vor dich hinbrabbelst: "Na, Frau Gagsteiger, was ist denn das chemische Potential?" Besser unauffällig den Kopf senken und so tun, als sei man schrecklich langsam beim Mitschreiben oder notiere sich eine wichtige Randbemerkung... :-P
Endlich erlöst oder völlig erschlagen von Zahlen und Buchstaben oder Atomen und Elektronenflusspfeilen die Samba tanzen und immer wieder neue Reihen bilden, heißt es dann: Weiter gehts. Zur nächsten Vorlesung, Praktikum, Vorbereitung auf ein Kolloq (bei dem man wieder einmal feststellt, dass man eigentlich nichts weiß) oder Protokolle schreiben...
Völlig fertig komme ich nach Hause, drucke die nächsten Skriptfolien aus, schreibe was ab, tippe noch ein paar Verbesserungen ins Protokoll und falle todmüde ins Bett, wobei mir einfällt, dass ich eigentlich nochmal was essen könnte.
Ist der Tag leerer, weißt ich nicht, was ich tun sollst. Beschäftigungen gibt es genug, aber irgendwie fehlt die Motivation, der Druck, die Anspannung, das Gegenüber?
Plätzchen backen oder doch lieber ne Torte? Geschenke überlegen? Basteln? KiGo vorbereiten? Ne Freundin anrufen oder besser gleich besuchen? Mails schreiben? TH-Zeug sei mal völlig außenvor gelassen... Ach ja, so ein komisches Ding, das sich Haushalt nennt gibts auch noch...

Wem geht es manchmal ähnlich? Wer ist trotzdem gut drauf? Wer hat eine gute Lösung? Wer genießt sein ausgefülltes Leben, aber weiß, wann er Pause braucht und auftanken muss? Und vor allem wie er auftanken kann? Wer nutzt seinen Tag sinvoll?  Immer her mit Ideen, ich werde besser, das merke ich, aber wirklich weit gekommen, bin ich trotzdem noch net.

Und: Ihr habt keine Vorstellung, wie viel Spaß dieser Blogeintrag mir grad gemacht hat. Eigentlich ist es schon längst Zeit schlafen zu gehen. Eigentlich wollte ich noch zwei Mails schreiben. Eigentlich hätte ich noch einen riesigen Zahlensalat zu waschen. Eigentlich bin ich total happy, dass es mir gut geht. Ich Freunde habe. Die Sonne heute geschienen hat. Meine Schwester gut drauf war und wir bissi zusammen X-Man geschaut haben. (Aber als Ryan Reynolds tot war, bin ich gegangen. Wozu noch gucken, wenns nichts mehr zu gucken gibt? ;-)) Eigentlich muss man manchmal einfach das tun, wozu man gerade Lust hat.

Ein paar weise Sprüche zum Abschluss?!

"In einem dankbaren Herzen herrscht ewiger Sommer."
- Celia Layton Thaxter -

"Die Weisheit des Lebens besteht darin, die unwesentlichen Dinge zu übersehen."
- aus Burma - 

"Wenn du am Morgen erwachst, denke daran, 
was für ein köstlicher Schatz es ist, zu leben, zu atmen und sich freuen zu können."
- Marc Aurel -

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